Unser Quartier im Wandel – Mieterinnen erzählen

Im Gespräch mit Frau Hädrich und Frau Beck

Die Henri-Dunant-Siedlung hat in den vergangenen Jahren viele Veränderungen erlebt. Frau Hädrich, Mieterin aus der Schaumburger Straße, wohnt fast ihr ganzes Leben schon hier. Frau Beck, die im Jahr 2000 ebenfalls in die Schaumburger Straße zugezogen ist, steht als Mitarbeiterin des Mieterservice seit einigen Jahren für viele als direkte Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Wir haben die beiden getroffen, um herauszufinden, was sie mit ihrem Wohnort verbinden und wie sie den Modernisierungsmaßnahmen der Siedlung gegenüberstehen.


Frage: Frau Hädrich, wie empfinden Sie die Entwicklungen der Siedlung der letzten Jahre?

„Seit 49 Jahren lebe ich hier (…) und ich muss sagen, die Siedlung ist wirklich schön geworden. Besonders den Spielplatz in der Mitte, wo sich ja viele aufregen, aber das finde ich echt schön. Das ist eben auch so ein Treffpunkt. Außerdem hat die GWH ja diese Bänke eingerichtet, das finde ich auch gut. Da kann man sich dann auch mal hinsetzen und mal verweilen.“

Die Grünanlagen vor den Häusern sehen zwar schön aus, brauchen aber recht viel Pflege und kommen mit Hitze und Trockenheit nicht so gut klar. Eine Gestaltung, die ein bisschen pflegeleichter und robuster ist, fände Frau Hädrich praktisch.


Frage: Haben Sie die Veränderungen in der Siedlung ähnlich wahrgenommen, Frau Beck?

„Ich wohne seit 20 Jahren jetzt hier (…) und anfangs war es eine schöne kleine gemütliche Siedlung, vor allen Dingen war es grün, das mag man gar nicht glauben so von außen. Aber wenn man mal mitten in der Siedlung ist, hat man schon sehr viel Natur, gerade wenn man hier an der Nidda spazieren geht und durchs Feld laufen kann. (…) Klar, man hat mal gute Zeiten, schlechte Zeiten, je nachdem was los ist, aber im Großen und Ganzen lässt‘s sich hier echt schön leben.“

Auch die nahegelegenen Bildungs- und Versorgungsmöglichkeiten spielten für Frau Beck eine entscheidende Rolle bei der Wahl ihres Wohnorts.


Frage: Wie würden Sie die Gemeinschaft der Mieterinnen und Mieter in der Dunant-Siedlung beschreiben?

Es gibt eine gewisse Hilfsbereitschaft und ein Miteinander, zumindest unter den Mieterinnen und Mietern, die seit mehreren Jahren in der Siedlung leben. „So einen Zusammenhalt gibt es selten“ sagt Frau Hädrich. „Einige ziehen aber auch weg aus der Siedlung…“.


Frage: Was denken Sie, wieso einige Menschen wegziehen?

Frau Beck berichtet: „Ja es ziehen viele Leute weg, weil sehr viele unzufrieden sind mit der Parkplatzsituation.“

Die allgemeine Bezahlbarkeit von Wohnungen, besonders für junge Leute mit Azubi-Gehalt oder Menschen im Rentenalter, sei ein weiterer Grund, wieso sie die Siedlung verlassen müssen, oder erst gar nicht zuziehen können. „Das ist aber, glaube ich, so eine Standardsituation in Frankfurt und Deutschland allgemein: Wir haben es verpasst, Wohnungen zu bauen.“


Frage: Auf welchem Stand sind die Umbaumaßnahmen aktuell?

Frau Beck erklärt: „Bei uns in der Schaumburger Straße sind sie fertig. Im Dunantring ebenfalls komplett bis auf einzelne Stränge, die werden aber jetzt nachgezogen. In der Dufourstraße haben wir zwei Hausreihen noch, die fehlen und der letzte Abschnitt Dunantring 66 bis 81 hat bisher die Fassade und die Fenster gekriegt. Ja, wir sind schon richtig weit.“


Frage: Die Umbauarbeiten sind bei Ihnen beiden bereits abgeschlossen. Was stellt für Sie den größten Vorteil aufgrund der Modernisierungsmaßnahmen dar?

„Durch die neue Dämmung und durch die Fenster ist es im Winter dicht, lärmreduziert und hält die Kälte und die Wärme immens ab. Also man merkt, es ist effektiver, man spart viel Geld“ erklärt Frau Hädrich. 

Und auch Frau Beck ist zufrieden: „Ja, es ist schon ein Unterschied. Das erste Jahr nach der Sanierung mit der Abschlagszahlung beim Vermieter hatte ich zwar auch erst eine immens hohe Nachzahlung aufgrund von Einspeisung des Gases von ganz neuen Leitungen. Aber im kommenden Jahr bei der zweiten Betriebskostenabrechnung, da habe ich das Doppelte wieder zurückgekriegt!“

Nach kleinen „Kinderkrankheiten“, die die Inbetriebnahmen neuer Anlagen manchmal mit sich bringen, laufe nun alles rund. „Inzwischen läuft das Kraftwerk anständig und wir hatten jetzt ewig schon keinen Ausfall mehr“ berichtet Frau Beck. Auch die sanierten Balkone, neuen Sprechanlagen und Briefkästen möchten die beiden nicht mehr missen. 


Frage: Frau Beck, Sie als Mitarbeiterin vom Mieterservice stehen täglich in Kontakt mit den anderen Mieterinnen und Mietern. Wie nehmen Sie die Stimmung und die Veränderungen gerade im Quartier wahr?

Also im Moment ist mehr Missstimmung, als dass sie sich freuen, dass sie bald fertig sind. (…) Es gibt aber eben keine Baustellen, wo alles wirklich rund läuft und terminlich abstimmbar ist – es verschiebt sich immer was.“ 

Aus ihrer Sicht spielen auch Unsicherheiten und teils ungenaue Informationen unter den Mieterinnen und Mietern eine Rolle bei der aktuellen Stimmung. Zudem lassen sich manche Erwartungen an größere Modernisierungen, wie etwa bei den Badezimmern, nicht immer umsetzen, da dafür keine unmittelbare Notwendigkeit besteht. Frau Beck hebt jedoch hervor, dass die GWH jederzeit offen für Gespräche ist, um gemeinsam eine gute Lösung zu finden – bei Bedarf auch unter Einbeziehung des Mieterbundes.


Frage: Was zeichnet die Dunant-Siedlung Ihrer Ansicht nach aus?

Für Frau Hädrich spielt die Nähe zur Nidda und zur Natur eine große Rolle: „Ich habe ja auch hier vorne direkt den Baum vom Fenster und vor dem Balkon und da sind dann die Tiere drin, das finde ich halt toll. Immer wenn ich Bilder poste, fragen die Leute: Wo bist du denn? Ich sage dann: Ja, das ist direkt vor meiner Tür!“.

Mit den Radwegen und der Anbindung durch den Bus an den weiteren öffentlichen Nahverkehr sind beide ebenfalls zufrieden. Die Angebote für Einzelhandel und Dienstleistungen nehmen sie als ausreichend wahr, und was fehlt, ist für sie gut mit den Öffentlichen erreichbar.

Die Schulen im Umkreis genießen einen sehr guten Ruf. Neben der Grundschule sticht die intensive Berufsorientierung der weiterführenden Schule positiv heraus. Der Neubau eines Gymnasiums wird 2028 abgeschlossen sein.


Frage: Welche Angebote finden sich hier in der Siedlung?

Anlässe wie das Sossenheimer Open-Air-Festival bringen die Bewohnerinnen und Bewohner vieler Altersklassen näher zusammen. 

„Zwar gibt es nicht so viele Angebote für die älteren Herrschaften, da sind wir aber froh, dass wir die AWO hier haben, wo sie sich dann wöchentlich auf Kaffee und Kuchen treffen können und zum Sommerfest.“ 

Als Mitarbeiterin des Mieterservice sieht Frau Beck daher einen Bedarf in der Ausweitung dieses Angebots. Da viele Ältere schon jahrzehntelang in der Siedlung leben, wünscht sie sich für sie einen festen Treffpunkt, z.B. ein Rentner-Café.


Fazit:

Die Henri-Dunant-Siedlung hat sich in den letzten Jahren spürbar weiterentwickelt. Durch Sanierungen und Modernisierungen ist der Wohnkomfort gestiegen – und auch die Energieeffizienz kann sich durch die Einrichtung der neuen Heizzentrale sehen lassen. Gleichzeitig machen die vielen Grünflächen, die Nähe zur Natur und die gute Anbindung die Siedlung besonders lebenswert. Trotz einiger Herausforderungen bei Bauabläufen und der Parkplatzsituation schätzen viele Bewohnerinnen und Bewohner den nachbarschaftlichen Zusammenhalt und das vielfältige Umfeld. Mit zusätzlichen Angeboten – besonders für ältere Menschen – könnte die Siedlung ihre Stärken künftig noch weiter ausbauen.